Zweitägige Schulungsklausur des Seniorenrates des Landes Brandenburg: Altersarmut, Pflege und Verbraucherschutz im Mittelpunkt

Der Seniorenrat des Landes Brandenburg e. V. führte am 8. und 9. Oktober 2026 seine jährliche Schulungsklausur in der Ländlichen Heimvolkshochschule am Seddiner See durch. An beiden Tagen standen aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen, sozialpolitische Entwicklungen und wichtige Fragen rund um ein selbstbestimmtes und sicheres Leben im Alter im Mittelpunkt.


An der Schulungsklausur nahmen auch der Landesseniorenbeauftragte Brandenburgs, Herr Asmus, sowie die Vorsitzenden der Seniorenvertretungen aus Sachsen-Anhalt, Monika Hohmann, und Mecklenburg-Vorpommern, Joachim Kießling, teil. Ihre Teilnahme unterstrich die Wertschätzung für die Arbeit der Seniorenvertretungen und ermöglichte zugleich einen Blick über die Landesgrenzen hinaus.


Die Veranstaltung bot den Mitgliedern der Seniorenvertretungen aus Brandenburg neben Fachinformationen auch Gelegenheit zum persönlichen Austausch, zur Vernetzung und zur Diskussion über aktuelle Entwicklungen.

 

Altersarmut, Einsamkeit und die Zukunft der Pflege

Der erste Veranstaltungstag widmete sich dem Verhältnis von Altersarmut und Einsamkeit sowie der Zukunft der Pflege. Frau Slanina, Vorstandsvorsitzende der Volkssolidarität im Land Brandenburg, stellte die Frage in den Mittelpunkt, wie der Teufelskreis aus finanzieller Not und sozialer Isolation durchbrochen werden kann. Gemeinsam wurde darüber diskutiert, welche Arbeitsrichtungen die Seniorenvertretungen einschlagen sollten und welche Erwartungen an sie gestellt werden.


Die zentrale Botschaft: „Altersarmut und Einsamkeit – mehr als finanzielle Einschränkungen.“ Einsamkeit, Scham und fehlende Begegnungsmöglichkeiten erschweren die gesellschaftliche Teilhabe. Benötigt werden niedrigschwellige Angebote, verlässliche Anlaufstellen und frühzeitige Unterstützung. Zivilgesellschaft und Kommunen spielen dabei eine entscheidende Rolle.


Herr Ranft, ehemaliger Staatssekretär des Sozialministeriums Brandenburg, beleuchtete die Zukunft der Pflege. Unter dem Leitgedanken „Zukunft der Pflege – mehr als eine Finanzierungsreform“ ging es um bedarfsgerechte Versorgung, verständliche Leistungen, persönliche Beratung und verlässliche Strukturen vor Ort. Dabei müssen die Perspektiven pflegender und gepflegter Menschen gleichermaßen berücksichtigt werden. Zukunftsfähige Pflegepolitik erfordert das Zusammenwirken von Politik, Kommunen und Gesellschaft.


Im Austausch über Erfahrungen aus der Praxis wurden insbesondere kommunale Finanzierung, Begegnungsorte und soziale Teilhabe, Mobilität sowie die Weitergabe erfolgreicher Praxisbeispiele als Handlungsfelder benannt.

 

Verbraucherzentrale Brandenburg: Schutz vor Betrug und unseriösen Geschäftspraktiken

Der zweite Veranstaltungstag startete mit einem Vortrag von Herrn Janneck von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Im Mittelpunkt standen aktuelle Betrugsmaschen, unseriöse Geschäftsmodelle und Möglichkeiten, sich vor finanziellen Schäden zu schützen.
Thematisiert wurden unter anderem Fake-Shops, betrügerische Nachrichten, Identitätsdiebstahl, unberechtigte Inkassoforderungen sowie problematische Haustürgeschäfte.
 

Besonders deutlich wurde, dass Betrugsversuche zunehmend professioneller gestaltet werden und deshalb nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen sind. Gefälschte Internetseiten, täuschend echte Nachrichten und vermeintlich seriöse Zahlungsaufforderungen können Menschen aller Altersgruppen betreffen.


Zum möglichst frühzeitigen Erkennen solcher Gefahren wurden auch konkrete Handlungsmöglichkeiten vorgestellt. Dazu gehören die sorgfältige Prüfung von Internetadressen und Vertragsunterlagen, die regelmäßige Kontrolle von Kontoabbuchungen sowie die rechtzeitige Inanspruchnahme unabhängiger Verbraucherberatung.
 

Ein wichtiger Hinweis lautete zudem, Betrugsversuche und Straftaten auch dann zur Anzeige zu bringen, wenn die Erfolgsaussichten einer Strafverfolgung zunächst gering erscheinen. Nur bekannt gewordene Fälle können statistisch erfasst werden und dazu beitragen, neue Betrugsmaschen sichtbar zu machen.

 

Queersensible Pflege: Würde, Respekt und Selbstbestimmung im Alter

Im Anschluss widmete sich Andreas Schütz von Queer-Pflege e. V. dem Thema „Queersensible Pflege und Unterstützung für LSBTI* im Alter“.


Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Pflege und Unterstützung gestaltet werden müssen, damit lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und intergeschlechtliche Menschen auch im Alter selbstbestimmt und diskriminierungsfrei leben können.


Eine besondere Bedeutung kommt dabei den historischen Erfahrungen älterer Menschen zu. Wer heute 80 Jahre alt ist, wurde in einer Zeit geboren, in der gleichgeschlechtliche Beziehungen gesellschaftlich stark tabuisiert und homosexuelle Handlungen zwischen Männern strafrechtlich verfolgt wurden. Die Abschaffung des § 175 Strafgesetzbuch erfolgte in Deutschland erst 1994.


Solche Erfahrungen können bis heute das Vertrauen in Institutionen und Pflegeeinrichtungen beeinflussen.
 

Queersensible Pflege bedeutet deshalb, individuelle Lebensgeschichten ernst zu nehmen, persönliche Identitäten zu respektieren und ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen keine Diskriminierung oder Ausgrenzung befürchten müssen.


Dazu gehören auch die Anerkennung selbst gewählter Bezugspersonen, eine respektvolle Kommunikation und die Sensibilisierung von Pflegekräften.
 

Der Themenbereich verdeutlichte, dass Menschenwürde, Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe unabhängig von der sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität gewährleistet sein müssen.

 

Fachlicher Austausch und Vernetzung als wichtige Bestandteile

Neben den Fachvorträgen bot die zweitägige Schulungsklausur Raum für persönliche Gespräche, neue Kontakte und die Vertiefung bestehender Netzwerke. Unter dem gemeinsamen Ziel „Ein gutes und selbstbestimmtes Leben im Alter in Brandenburg“ standen Austausch, Vernetzung und das gemeinsame Weiterdenken im Vordergrund.


Gerade der Austausch zwischen den kommunalen Seniorenvertretungen ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit des Seniorenrates des Landes Brandenburg. Erfahrungen aus den Städten und Landkreisen können so zusammengeführt, gemeinsame Herausforderungen erkannt und Anregungen für die weitere Arbeit entwickelt werden.

 

Die Schulungsklausur machte erneut deutlich, wie vielfältig die Themen sind, die ältere Menschen betreffen – von finanzieller Absicherung und Pflege über Verbraucherschutz bis hin zu gesellschaftlicher Akzeptanz und gleichberechtigter Teilhabe.


Der Seniorenrat des Landes Brandenburg e. V. wird sich auch weiterhin dafür einsetzen, die Interessen älterer Menschen zu vertreten, über aktuelle Entwicklungen zu informieren und den fachlichen Austausch zwischen den Seniorenvertretungen im Land Brandenburg zu stärken.
 

 PXL_20261008_121016557.MP~2  PXL_20261008_135927153.MP  Janneck, VBZ   Klitzsch, Angelika PXL_20261009_081609074.MP    PXL_20261009_085653457.MP  PXL_20261009_092444185.MP  PXL_20261008_145952938.MP  PXL_20261009_092249038.MP  Anton, Lutz Asmus, LSBA 

 



 

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Veröffentlichung

Fr, 09. Oktober 2026

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