21. Brandenburgische Seniorenwoche

Seniorenrat des Landes Brandenburg, AG BSW

 Einschätzung der 21. BSW

Der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Dietmar Woidke, übernahm  die Schirmherrschaft über die Brandenburgische Seniorenwoche und zum ersten Mal in seiner Laufbahn hielt er die Rede zur Eröffnungsveranstaltung, die in diesem Jahr in der Konzerthalle „Carl Philipp Emanuel Bach“ in Frankfurt an der Oder stattfand. Seine Rede gab Hoffnung, dass noch anstehende seniorenpolitische Aufgaben durch die Landesregierung in Angriff genommen werden. Die Eröffnungsveranstaltung zeichnete sich auch dadurch aus, dass die freundschaftlichen Bindungen zwischen polnischen und deutschen Senioren besonders in den Städten Frankfurt und Slubice deutlich sichtbar geworden sind. Der  polnische Chor „Adoramus“ fand viel Beifall. Bei dem  Stadtspaziergang nach Slubice wurden durch Herrn Ernst, Vorsitzender des Seniorenbeirates der Stadt Frankfurt/Oder, die gewachsenen Verbindungen zwischen beiden Städten erlebbar.

Der SRLB dankt dem Seniorenbeirat der Stadt Frankfurt/Oder und der Verwaltung der Stadt für diese Eröffnungsveranstaltung.

In der seniorenpolitischen Arbeit des SRLB, der Seniorenbeiräte in den Kreisen, den Kreisfreien Städten und Gemeinden nimmt die Brandenburgische Seniorenwoche einen besonderen Platz ein. Sie wird immer als ein Höhepunkt der ganzjährigen Seniorenarbeit bewertet und in der Öffentlichkeit, besonders von den Senioren selbst, so wahrgenommen. Dazu trugen in diesem Jahr die über 630 Veranstaltungen, die Presseveröffentlichungen, das Auftreten von Politikern (Bürgermeister, Landräten, Abgeordnete) bei.

Bemerkenswert ist jedoch, dass auch 2014 Probleme artikuliert wurden, die für die Landespolitiker nicht neu sind.  An erster Stelle wird immer wieder betont, dass die Menschen im Alter und auch bei Behinderungen  in ihrer gewohnten Umgebung weiter leben möchten. Deshalb wird die Forderung laut, im Land rechtzeitig solche Förderprogramme aufzustellen, die das Wohnungsproblem sozial- und altersgerecht lösen und es auch jüngeren Menschen erlauben, sich beim Neu- oder Umbau von Eigenheimen bereits  Voraussetzungen zu schaffen, um dort im Alter wohnen zu können. Die Gemeinden sind gefragt, im Zusammenwirken mit Trägern sozialer Arbeit, altersgerechte und bezahlbare Wohnungsangebote vorzuhalten. Das schließt die Überlegung ein, sich soziale Dienste in die Gemeinden zu holen. Ängste vor Altersarmut, vor dem Alleinsein, vor Ausgrenzung sind im Zusammenhang mit dem noch nicht gelösten Wohnungsproblem zu beurteilen.

Obwohl im Jahre 2014 ein weiterer Schritt in Richtung Rentengerechtigkeit getan wurde sind die Ungerechtigkeiten noch immer nicht beseitigt. Der Altersarmut könnte  – so meinen Senioren – mit  der Herstellung der Rentengerechtigkeit begegnet werden.

Im Motto der 21. BSW hat der SRLB auf Aktivität, Selbstbewusstsein und Solidarität gesetzt. Aktivität schließt Mobilität ein. Die Verkehrsanbindungen des ÖPNV, insbesondere in die kleineren Orte, standen damit häufig in der Kritik. Viele gute Initiativen zu mehr Mobilität hat es im Land Brandenburg gegeben, aber vieles ist über ein Versuchsprojekt nicht hinaus gekommen, das wird kritisiert. Die Senioren möchten Verlässlichkeit auch in dieser Beziehung.

Ängste werden deutlich bei der pflegerischen und ärztlichen Betreuung. Lange Wartezeiten auf einen Arzttermin bei einem Facharzt sind für ältere Mensche schwer nachvollziehbar, sie haben nicht mehr so viel Zeit.

Und sie fragen, warum kann AGNES nicht kommen. In einem Seniorengespräch unterschrieben Senioren und der Bürgereister der Stadt Nauen, Herr Fleischmann, eine gemeinsame Erklärung  zum Problem des Modellprojektes „Rollende Arztpraxis“, das von der Kassenärztlichen Vereinigung und der Ärztekammer abgelehnt wurde.

Potsdamer Senioren verwendeten viel Kraft darauf, Überlegungen zusammen zu tragen, den von der Stadtverwaltung vorgesehenen Seniorenplan mit Vorschlägen für die Gestaltung einer seniorenfreundlichen Stadt auszurüsten. Gespräche im Vorfeld der BSW, Spaziergänge in Babelsberg während der BSW machten aufmerksam auf Schwachstellen, schon gut Gelungenes wurde gelobt.

Überwiegend entschieden sich die Kreisseniorenbeiräte, in ihrem Territorium eine zentralre Eröffnungsveranstaltung durchzuführen, die als kultureller Höhepunkt gestaltet wurden und auf denen Landräte oder deren Vertreter die Möglichkeit erhielten, ihre Positionen vorzustellen und den Aktiven zu danken. Andere Seniorenbeiräte haben bislang mit dezentralen Eröffnungsveranstaltungen gute Erfahrungen gemacht weil sie dadurch mehr Senioren erreichen konnten. Gleich wie –  wurden diese Veranstaltungen genutzt, insgesamt 410 aktiven Senioren zu danken und auszuzeichnen.

Dennoch haben die Mitglieder der Seniorenbeiräte und die Vertreter der Vereine, Verbände, der Gewerkschaften und Parteien kritisiert, dass ihre Arbeit zu wenig Wertschätzung erfährt. Wer kann es ihnen verdenken, dass sie im Rahmen der BSW immer wieder einfordern, diese langjährige, aufopferungsvolle Arbeit auch in angemessener Art und Weise anzuerkennen.

Die vielfältigen und vielgestaltigen Angebote  kultureller, sportlicher, informatorischer Art, sind in der Seniorenwoche gute Tradition. Sie veranlassen  die Senioren zu Aktivitäten, zum Mittun, selbst aktiv zu werden Über 44.000 Menschen waren Gäste der Veranstaltungen, haben Neues erfahren, getanzt, gesungen miteinander gesprochen. Das gibt neuen Lebensmut, begegnet der Einsamkeit und fördert die Gesundheit.

Auch Menschen mit Bewegungseinschränkungen möchten gern wissen, wie sich ihr Umfeld – in der Stadt, im Nachbardorf, in ihrer Amtsgemeinde verändert hat, möchten hören was der Bürgermeister  an Veränderungen für die Gemeinde in Aussicht stellt. Sie machten sich deshalb auf den Weg oder ließen sich mit einem Shuttle zu einer Rundfahrt abholen um die Veränderungen selbst in Augenschein zu nehmen. Diese Aktivität aus MOL haben zwischenzeitlich weitere Kreise übernommen, ebenso wie die Potsdamer Idee, dass sich Anbieter seniorenrelevanter Interessen in einer zentralen Veranstaltung präsentieren können.

Viele Kreisseniorenbeiräte organisierten Sportfeste und nutzten dabei die Kraft junger Leute, die in diesen Veranstaltungen für sie Aktivposten waren. Das setzt ein hohes Maß an Ideen, Zeit, Verantwortung voraus und machte einen  Riesenspaß. Im Landkreis Oder – Spree gab es eine deutsch-polnische Schacholympiade. Seit diesem Jahr wird zum deutsch-polnischen Seniorensportfest in Frankfurt/Oder einen Wanderpokal verliehen, den die Seniorensportgruppe der Wohnungswirtschaft gewann.

Neben dem gelungenen Auftakt des Nachweises deutsch-polnischer Zusammenarbeit in Frankfurt berichten viele andere Kreisseniorenbeiräte von ihren freundschaftlichen Beziehungen mit Senioren aus unserem Nachbarland. Insgesamt nahmen über 1.100 polnische Senioren an den Veranstaltungen teil. Sie sind lieb gewordene Gäste, aktive Mitstreiter bei der Gestaltung kultureller Höhepunkte  und auch als Sportler aktive Wettkämpfer. Kurz, sie gehören dazu.

Der Seniorenrat des Landes Brandenburg dankt allen Seniorenbeiräten, den Vereinen und den Verwaltungen in den Kreisen, Städten und Gemeinden für die Unterstützung bei der  Vorbereitung und Durchführung der 21. Seniorenwoche. Ohne die personelle, beratende, individuelle und finanzielle Hilfe aus den Kommunen wäre es nicht möglich, Veranstaltungen in einer solchen Anzahl durchzuführen. Wir sind der Auffassung, dass auch darin die Wertschätzung der Gesellschaft für unsere ältere Generation zum Ausdruck kommt.

Potsdam, 22.8.2014 AG BSW

Bericht 21.BSW 2014