Die 15. Brandenburgische Seniorenwoche 2008
Die 15. Brandenburgische Seniorenwoche fand in der Zeit vom 6. Juni bis zum 15. Juni 2008 statt.
Das zehnjährige Bestehen des SRLB und das Jubiläum der 15. BSW waren Anlass für hochwertige, interessante Veranstaltungen, Diskussionen und Zusammenkünfte.
Diese Veranstaltungen unterstützten das Motto „ Sozial gesichert aktiv leben – heute und morgen „.
Die politisch motivierte Arbeit in der Brandenburgischen Seniorenwoche und die zahlreichen bedeutenden Zusammenkünfte lassen sie zu einem nicht mehr weg zu denkenden Erlebnisbereich in unserem Land werden. Die Übernahme der Schirmherrschaft über die Brandenburger Seniorenwoche durch den Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Mathias Platzeck, und für die Kreise und Städte durch die Oberbürgermeister der kreisfreien Städte und die Landräte in den Kreisen unterstreicht ihren Stellenwert.
Die Seniorenbeiräte haben sich auch durch die Veranstaltungen in der Seniorenwoche in ihren Zuständigkeitsbereichen etabliert. Daran kommt kaum noch ein Politiker vorbei. Sie nutzen die Seniorenwoche als einen Glanzpunkt ihrer Arbeit, um viele Menschen für die Seniorenarbeit zu sensibilisieren, Senioren zu mobilisieren und die Politiker auf die Probleme der Senioren aufmerksam zu machen. Dass das immer besser gelingt, zeigt die Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung der Seniorenwoche durch die örtlichen Verwaltungen in nahezu allen Kreisen und Gemeinden. Die Seniorenbeiräte schätzen das als sehr hilfreich ein. Die Unterstützung reicht von der Teilnahme namhafter Vertreter aus der Politik an den Veranstaltungen, die Teilnahme an Podiumsgesprächen, über organisatorische Hilfe bis zu den Finanzen.
Anlässlich des Doppeljubiläums ( 15 Jahre BSW und 10 Jahre SRLB ) hatte die Eröffnungsveranstaltung im Staatstheater Cottbus am 31.5. 2008 einen besonders feierlichen Charakter. Das Haus bot beste Kunst – Opernchöre a la` Cart – . Der Chorgesang, verbunden mit fließenden, exakten, angepassten Bewegungen ließen die Herzen der 650 Gäste höher schlagen, setzten einen ersten und wohl auch den schönsten Höhepunkt der Festwoche. Dabei kam der Gedanke der Solidarität nicht zu kurz, Senioren spendeten zu dieser Festveranstaltung für krebskranke Kinder700 €. Für diese Veranstaltung wird allen Organisatoren, der Leitung des Staatstheaters und den Künstlern, insbesondere dem Vorsitzenden der Seniorenbeirates in Cottbus, Herrn Karwinski von Karwin ein großer Dank ausgesprochen.
Insgesamt gab es im Land Brandenburg in der Zeit der BSW etwa 1000 Veranstaltungen mit 57000 Gästen.
Die örtlichen Seniorenbeiräte organisierten in ihren Kommunen eigenverantwortlich Veranstaltungen, zugleich nahmen sie aktiv an den Veranstaltungen in den Kreisen teil. So wurden die geselligen Beziehungen zwischen den Senioren in den Kommunen einerseits und die sozialpolitisch orientierten Veranstaltungen in den Kreisen andererseits miteinander verbunden.
Zwischen deutschen und polnischen Senioren bilden sich seit Jahren gute nachbarschaftliche Beziehungen heraus. Das drückt sich im Besuch von über 600 polnischen Gästen besonders in den Grenzkreisen aus. Sie kommen nicht nur als stille Zuhörer, sie sind ebenso Akteure wie die deutschen Senioren auch. Chortreffen, gemeinsame Sportwettkämpfe, die deutsch-polnische Seniorenakademie und Diskussionsrunden werden als Möglichleiten der Verständigung genutzt. So entstehen besondere, individuelle Beziehungen zu einander.
In nahezu allen Kreisen finden festliche Eröffnungsveranstaltungen mit Kulturprogrammen, Auszeichnungen von Senioren für ihre ehrenamtliche Arbeit und die Anerkennung der von den Seniorenbeiräten geleisteten Arbeit statt. Die Forderung der Politiker an die Senioren, sich einzumischen in die kommunalpolitische Arbeit, das Eingeständnis, dass ohne Senioren vieles nicht so gut laufen würde, wird von den Senioren akzeptiert und drückt sich letztlich in ihrem Engagement für das Gemeinwohl aus. Der Oberbürgermeister von Cottbus, Herr Szymanski, hat in seiner Rede auf der Eröffnungsveranstaltung in Cottbus das enge Zusammenwirken mit den Senioren und seine Hochachtung vor ihnen deutlich artikuliert. Dass Senioren aktiv dabei sind findet seinen Ausdruck darin, dass in diesem Jahr 225 Senioren für ihre ehrenamtliche Tätigkeit ausgezeichnet wurden. Der Vorsitzende des Seniorenbeirates der Stadt Frankfurt/ Oder, Herr Werner Reim, erhielt für sein unermüdliches Wirken die Leopold-Medaille des Rotary Clubs. Und auch ein Novum gibt es. Im Landkreis Teltow-Fläming zeichnete der Seniorenverband BRH den Landrat, Peter Giesecke, für sein Wirken zum Wohle der Senioren aus.
In den Diskussionen mit den Bürgermeistern, Abgeordneten und Vertretern von Parteien wurde zugleich deutlich, dass manche Forderung aus den Vorjahren erneut auf der Tagesordnung stand. Vor allem waren es die noch immer vorhandene Rentenungerechtigkeit zwischen den Rentenwerten Ost und West und die Angst vor der Altersarmut, die mit zunehmender Dringlichkeit erörtert wurden. Die Senioren meinen, dass sie nach 18 Jahren Bundesrepublik das Recht auf angeglichene Rentenwerte haben. Sie waren die Generation, die nach dem Krieg unter vielen Entbehrungen das Land wieder aufbaute.
Neben diesen generellen Forderungen ging es in den Diskussionen auch darum, in einzelnen örtlichen Bereichen Veränderungen zu schaffen. Mit seinem Bericht vor der Stadtverordnetenversammlung zeigte der Seniorenbeirat Cottbus, wie ehrenamtliche Seniorenarbeit und Seniorenpolitik der Stadt im erwartungsvollen Einklang stehen können.
Die Erwartungshaltungen der Senioren für bessere Lebensbedingungen in ihren Territorien sind vielfältig. Das zeigen z. B. Wünsche nach geeigneten Trauerplätzen bei anonymen Bestattungsfeldern, nach geeigneten Sitzplätzen auf den von den Senioren vielfältig genutzten Wegen und in Kaufhallen, nach Versorgung mit den Dingen des täglichen Lebens in stadtfernen Gegenden etc.
Noch immer geht es in den ländlichen Kreisen um die bessere Erreichbarkeit ärztlicher Einrichtungen, die dringende Entscheidung über den Einsatz der Gemeindeschwester. Einerseits kommt mit diesen Forderungen zum Ausdruck, dass es an ausreichender ärztlicher Versorgung – Hausarztpraxen und Spezialisten – mangelt und die alltägliche Zuwendung für kranke Menschen z. T. unzureichend ist. Andererseits wird damit zugleich darauf hingewiesen, dass sich die verkehrstechnischen Voraussetzungen zur Erreichung der Einrichtungen zunehmend verschlechtern.
Senioren akzeptieren auch, dass es in vielen Kreisen anerkennenswerte Bemühungen gibt, Voraussetzungen für ein seniorengerechtes Leben zu schaffen.
Sie wollen sich dabei einbringen, erwarten, dass ihre Vorstellungen entgegen und ernst genommen werden. Das ist einer der Gründe, weshalb die Erwartungshaltungen an die Volksvertreter zur Aufnahme der Kreisseniorenbeiräte
in die Hauptsatzungen so hoch sind.
Die Seniorenwoche ist auch immer ein Höhepunkt im kulturellen Erleben, in Zusammentreffen bei Sport, Spiel, Tanz und Wandern. Das deutsch-polnische Chortreffen in Barnim, die Sportfeste in vielen Kreisen und der 8. Abschluss der deutsch-polnischen Seniorenakademie in Frankfurt / Oder, der Tag der Generationen und der Tag der Erinnerungen in Märkisch – Oderland, die Konzerte mit hochrangigen Orchestern in Potsdam und Cottbus und die Vorstellungen von Seniorengruppen zeugen von einer lebensbejahenden Auffassung der Senioren.
Aus dem Motto der 15. BSW ergibt sich die Schlussfolgerung, die Zusammenarbeit mit der Jugend fortzusetzen. Das ist schon in diesem Jahr in vielen Kreisen geschehen. Gemeinsames Spielen, Ausstellungen über Omas Spielzeug, Besuch von Kindern in Pflegeheimen mit gemeinsamen Mittagessen, Lesungen werden als Beweis dafür gewertet, dass Jung und Alt zusammen konfliktfrei leben können. Die Kinder und Jugendlichen hören aus den eigenen erlebten Erfahrungen der Älteren, wie sie einmal gelebt haben.
Wir werden daher für das nächste Jahr diese Seite des Zusammenlebens verstärkt betonen.
Allen Seniorenbeiräten, den Vertretern der Politik und den Verwaltungen gilt der Dank des Vorstandes des Seniorenrats des Landes Brandenburg für die gelungen Woche.
Arbeitsgruppe Brandenburgische Seniorenwoche
Anlässlich der Eröffnung der 15. Brandenburgischen Seniorenwoche und zum 13. Tag der ehrenamtlichen Seniorenarbeit wurden zehn verdienstvolle Seniorinnen und Senioren mit der Ehrenurkunde des Seniorenrats des Landes Brandenburg ausgezeichnet. Ministerpräsident Matthias Platzeck, der Oberbürgermeister der Stadt Cottbus Frank Szymanski und die Vorsitzende des Seniorenrates des Landes Brandenburg Sieglinde Heppener überreichten gemeinsam die Ehrenurkunden an:
Herr Erwin Beeske, 76, Straße des Friedens 2, 16775 Gransee, Seniorenbeirat Landkreis Oberhavel
Herr Beeske ist seit mehr als zehn Jahren Vorsitzender des Seniorenbeirats von Gransee, ist Mitglied des Seniorenbeirats des Landkreises und arbeitet im Seniorenbüro Oranienburg mit. Überall wird seine Disziplin und Einsatzbereitschaft hervorgehoben. Er unterstützt ein Schulprojekt der Granseer „Werner-von-Siemens-Schule“ „Jung und Alt“ und organisiert einen Freundschaftskreis mit der Schule des polnischen Partnerkreises.
Frau Angelika Bertram, 79, Am Nuthetal 6, 14478 Potsdam, Seniorenbeirat Potsdam
Seit September 1991 leistet Frau Bertram hervorragende Arbeit bei der sozialen Betreuung der Mitglieder des BRH. Für diese Arbeit wurde sie mit der Ehrennadel des BRH geehrt. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern des Zeitzeugenzirkels des Potsdamer Seniorenbeirats und hat an seinen Veröffentlichungen großen Anteil. Auch in Potsdamer Tageszeitungen ist sie als schreibende Seniorin gut bekannt. Frau Bertram arbeitet in Selbsthilfegruppen der Diabetiker und der Krebskranken mit.
Frau Rosemarie Böttrich, 78, Burgstraße 21, 14467 Potsdam, Seniorenbeirat Potsdam
Seit 1991 Mitglied des BRH leitet Frau Böttrich seit 2004 als stellvertretende bzw. Vorsitzende die Potsdamer BRH-Gruppe, wurde für ihre engagierte Arbeit mit der Ehrennadel des BRH ausgezeichnet und vertritt den BRH im Potsdamer Seniorenbeirat. Sie gründete einen Seidenmalerei-Zirkel und unterstützt durch den Verkauf seiner Schöpfungen die „Stiftung Altenhilfe“ in Potsdam. Auch die Modelgruppe „Herbstzeitlose“, der sie angehört, ist ein nicht wegzudenkender Aktivposten für die Potsdamer Seniorenwoche.
Herr Georg Graf, 72, An der Heide 2, 15910 Schönewalde, Seniorenunion Brandenburg
Herr Graf gehört zu den Gründern des Brandenburger Seniorenrats, in dem er seit Beginn die Seniorenunion vertritt. Seinem inhaltlichen und organisatorischen verlässlichen Engagement verdankt der Seniorenrat viel. Ebenso hat er die Entwicklung des Seniorenbeirats des Landkreises Dahme-Spreewald und die Arbeit des Seniorenbeirats in seinem Heimatort maßgeblich bestimmt.
Frau Renate Gräßler, 72, Juri-Gagarin-Straße 29, 03226 Vetschau, Seniorenbeirat Landkreis Oberspreewald-Lausitz
Als Leiterin der Vetschauer Gruppe der Volkssolidarität sorgt sich Frau Gräßler um die Alten, organisiert Ausflüge und Tagesfahrten, ist in der Seniorentagestätte anzutreffen. Ihrem Einsatz ist die Gründung des Seniorenbeirats Vetschau 2004 zu verdanken. Sie hat guten Kontakt zum Sozialausschuss und zum Bürgermeister der Stadt. Seit 1996 ist sie Mitglied des Seniorenbeirats des Landkreises und verwaltet als Schatzmeisterin seine Finanzen.
Frau Hannelore Hoffmann, 70, Gallileo-Gallilei-Str. 9, 15517 Fürstenwalde, Seniorenbeirat Landkreis Oder-Spree
Frau Hoffmann hat seit zehn Jahren als Vorsitzende des Seniorenbeirats der Stadt Fürstenwalde und als Mitglied des Vorstandes des Kreisseniorenbeirats der Seniorenarbeit wesentliche Impulse gegeben. Sie hält regen Kontakt zu den Schulen und Kindergärten. Ihren Anspruch; Lebensqualität auch im Alter zu erhalten, realisiert sie in der Seniorentanzgruppe „Fröhlicher Kreis“ und in der Seniorensportgruppe des Kreisseniorenbeirats.
Herr Gerhard Köhler, 75, Karl –Liebknecht-Straße 41, 16348 Wandlitz, Seniorenbeirat Landkreis Barnim
Herr Köhler ist Gründungsmitglied des Kreisseniorenbeirats und seit 1992 sein aktives Mitglied. Er widmet sich vor allem inhaltlichen Fragen der Seniorenarbeit, so bei der Seniorenumfrage und der Erarbeitung von seniorenpolitischen Grundsätzen für den Landkreis. Er unterstützt die Seniorenkonzerte im Kloster Chorin und die Sommerfeste für Seniorinnen und Senioren. Als Vorsitzender des BRH in Wandlitz hat er erheblichen Anteil an der Gründung des Seniorenbeirats in der Gemeinde.
Herr Dr. Jürgen Otter, 70, Stadtpromenade 12, 03046 Cottbus, Seniorenverband Vattenfall Europe e.V.
Seit seinem frühzeitigen Ausscheiden aus dem Berufsleben kümmerte sich Herr Dr. Otter um ehemalige Mitarbeiter der VEAG und gründete 1995 einen Seniorenclub für ehemalige Kraftwerker aus Jänschwalde. Als dessen Vorsitzender schuf er Möglichkeiten für Kontakte und Weiterbildung und dafür, weiter am Betriebsgeschehen teilzuhaben. Er ist Mitbegründer des Seniorenverbandes Vattenfall Europe und seit 11 Jahren sein Schatzmeister.
Frau Gertrud Scholtissek, 62, Aue 77, 03185 Drachhausen, Seniorenbeirat Landkreis Spree-Neiße
Frau Scholtissek ist seit Gründung des Seniorenbeirats des Amtes Peitz Vorsitzende des Seniorenbeirats und aktives Mitglied des Kreisseniorenbeirats. Sie hat maßgeblichen Anteil am Zustandekommen des Seniorenbeirats von Schenkendöbern. In der Seniorenwoche organisiert sie seit 2001 jährlich ein Fest für 400 Seniorinnen und Senioren und eine Radsternfahrt der Senioren zu örtlichen Sehenswürdigkeiten mit anschließendem geselligem Beisammensein. Für ihre hervorragende Arbeit wurde sie 2003 mit der goldenen Ehrennadel des Amtes Peitz ausgezeichnet.
Frau Ursula Steidel, 69, Meyerstraße 2, 14776 Brandenburg an der Havel, Seniorenbeirat der Stadt Brandenburg
Frau Steidel arbeitet sehr engagiert seit zwei Legislaturperioden im Seniorenbeirat der Stadt Brandenburg. Im Seniorenbeirat vertritt sie die Gewerkschaft Unterricht und Erziehung. Sie organisiert viele Veranstaltungen und Fahrten für Seniorinnen und Senioren. Besonders aktiv ist sie in der Arbeitsgruppe „Soziales und Wohnen“ des Seniorenbeirats tätig.
Begrüssungsrede der Vorsitzenden des Seniorenrates des Landes Brandenburg, Sieglinde Heppener, zur Eröffnung der 15. Brandenburgischen Seniorenwoche am 31.Mai 2008 im Staatstheater Cottbus
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrter Herr Intendant, liebe Mitglieder von Seniorenbeiräten und Brandenburger Seniorenorganisationen, liebe polnische Freunde, verehrte Gäste!
Ich möchte Sie zur Eröffnung der 15. Brandenburgischen Seniorenwoche und zum 13. Tag der ehrenamtlichen Seniorenarbeit herzlich begrüßen.
Dieses wunderschöne alte Haus bietet wahrlich den würdigen Rahmen für diese Jubiläumsseniorenwoche im 10. Jahr des Bestehens des Seniorenrats des Landes Brandenburg.
Hier sind heute viele gute Freunde versammelt. Obwohl ich sie gern wieder alle nennen würde, muss ich es mir diesmal versagen.
Seien Sie alle herzlich begrüßt.
„Sozial gesichert aktiv leben“ – soziale Sicherheit im Alter und aktiv leben, sein Leben selbst zu bestimmen, gehören zusammen. Von beidem gemeinsam hängt ab, ohne Angst und in Würde zu altern.
Die Aktivität der Alten hat viele Gesichter: Die Seniorenbeiräte, die Nachbarschaftshilfe, die Hilfe in den Pflegeheimen, die Unterstützung der Kinder, der eigenen Enkel in der Familie wie der anderen in den Schulen und Kindergärten oder zunehmend auch die Patenschaft in den Netzwerken für gesunde Kinder. Wir wollen auch im Alter gebraucht werden und wir werden gebraucht.
Unsere Lebenserfahrungen, unsere schlimmen Erinnerungen an Krieg und Nazismus verpflichten uns zu einer besonderen Verantwortung gegenüber den Jungen. Nicht wenige Mitglieder von Seniorenbeiräten sind zum 10. Mai in die Schulen gegangen und haben aus Büchern jener Schriftsteller vorgelesen, deren Werke vor 60 Jahren von den Nazis verbrannt wurden. Aus unserem eigenem Erleben mussten wir die Warnung bestätigen, dass wer Bücher verbrennt auch vor der Vernichtung von Menschen nicht zurückschreckt. Oft erleben wir Unkenntnis der Geschichte, unbedachte Benutzung von Nazisymbolen, ganz zu schweigen von jenen schrecklichen Liedern, die hasserfüllt unverblümt zu Mord an Ausländern und Andersdenkenden aufrufen. Lasst uns Alte das nicht hinnehmen! Schimpft nicht über die Musik, Achtet auf die Texte.
Sozial gesichert, aktiv leben verlangt von uns, sich gesellschaftlich zu engagieren und sich neues Wissen anzueignen, uns zu bewegen und gesund zu erhalten.
Dazu gehören aber auch solche Lebensumstände, die uns bis ins hohe Alter hinein ein selbstbestimmtes Leben möglich machen: angemessene medizinische Betreuung und Pflege, altersgerechter, bezahlbarer Wohnraum, Nahverkehr, hauswirtschaftliche Dienstleistungen, Sicherheit und Schutz vor Kriminalität, überall in Brandenburg, in den Städten und auf den Dörfern.
Im Alter sozial gesichert leben, ist mehr als eine auskömmliche Rente. Darüber sind wir uns einig.
Aber die Rente ist unsere wichtigste Lebensgrundlage. Eine Rente, von der wir leben können, bestimmt letztlich über unser aktives selbstbestimmte Leben im Alter.
Wir meinen, dass sich unsere soziale Lage nicht weiter verschlechtern darf.
Vor allem muss die Angleichung des Rentenwertes Ost an den Rentenwert West endlich erfolgen, steuerfinanziert und nach einem Stufenplan. Das Preisniveau in Ost- und Westdeutschlands ist gleich. Fast 18 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es aber noch immer zwei Rentenvölker.
Gegenwärtig erhalten ca. 1% aller 65 Jährigen und Älteren Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Das heißt, ihre Alterseinkünfte sind so gering, dass sie nicht von ihnen leben können. Ein Prozent! Das lässt den Schluss zu, dass Altersarmut bei uns kein akutes Problem ist. Angesichts der Lage bei den Kindern und Familien hört es sich harmlos an.
Aber ein Prozent sind 5000 alte Menschen, die in Brandenburg an der Armutsgrenze leben. Für sie ist die Altersarmut kein zukünftiges Problem, sondern reale Gegenwart.
Wir haben keinen Grund zur Beruhigung. Und schon gar nicht, wenn wir an die Altersarmut der künftigen Rentnergeneration mit ihren gebrochenen Berufsbiografien denken. .
Die Seniorenbeiräte haben auch dieses Jahr keine Mühe gescheut, die Seniorenwoche zu einer Woche der Gemeinsamkeit und des fröhlichen Miteinander zu machen. Sie ist aber auch die Woche des politischen Gesprächs. Wir werden vor Ort darüber das reden, was uns auf dem Herzen liegt, und wie wir uns in den Kommunen nützlich machen können.
Herr Ministerpräsident, ich bitte Sie nun als Schirmherr der 15. Brandenburgischen Seniorenwoche das Wort zu nehmen. Nachdem dann der Oberbürgermeister der Stadt Cottbus zu uns gesprochen hat (Herr Szymanski, wir freuen uns darauf) möchte ich gern mit Ihnen, verehrter Herr Platzeck, zum 13. Tag der ehrenamtlichen Seniorenarbeit die Ehrenurkunden übergeben.