Seniorenrat des Landes Brandenburg e. V.
Arbeitsgruppe BSW
Einschätzung der 18. Brandenburgischen Seniorenwoche (BSW)
Unter dem Motto: „Sozial gesichert, aktiv leben - für alle Generationen“ führten der Seniorenrat des Landes Brandenburg e.V., die Kreisseniorenbeiräte, die Vereine und Verbände in der Zeit vom 22.5.2011 bis zum 29.5.2011 die 18. BSW durch.
Die ehrenamtlich tätigen Senioren in den Beiräten, den Vereinen, Verbände und sozialen Einrichtungen stellten auch in diesem Jahr wieder ihr hohes soziales Engagement bei der Vorbereitung und Durchführung der Woche unter Beweis. Ihrem Engagement ist es zuzuschreiben, dass im Land insgesamt 874 Veranstaltungen mit 45.944 Beteiligten reibungslos durchgeführt werden konnten. Das ist nahezu ausschließlich das Ergebnis der Ehrenamtlichen.
In den Kreisen und Kommunen war die Unterstützung seitens der Verwaltungen und der Politiker geprägt von der Achtung vor der älteren Generation und der Anerkennung ihrer ehrenamtlichen Leistungen. Das wird u. a. dadurch deutlich, dass in allen Kreisen – außer in der Landeshauptstadt Potsdam – insgesamt 396 Ehrenamtliche mit Urkunden geehrt worden sind, was zu einer weiteren guten Zusammenarbeit anspornt.
Berichterstattungen und Informationen durch Landräte und Bürgermeister vor den Senioren über kommunale Angelegenheiten und soziale Aktivitäten in den Kommunen beweisen, dass die Einbeziehung der älteren Generation in die Regelung sozial-politischer Angelegenheiten zunimmt.
Ein weiteres wichtiges Ergebnis der BSW besteht darin, dass vielen Senioren aller Regionen unseres Landes Frohsinn und Lebensfreude durch zahlreiche schöne gemeinsame Erlebnisse, kulturelle Veranstaltungen, sportliche Aktivitäten und gesellige Zusammenkünfte vermittelt werden konnten.
Der Seniorenrat des Landes Brandenburg dankt allen an der Vorbereitung und Durchführung der 18. BSW Beteiligten für ihr Engagement.
Die Hilfe der Verwaltungen in den Kommunen, Ämtern und Kreisen besteht auch darin, die Veranstaltungen als gern gesehene Gäste und Gesprächspartner- wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägt – wahrzunehmen, mit finanziellen Mitteln zu unterstützen, und mittlerweile die BSW auch als eine feste Größe bei der Termin- und Finanzplanung in den Kreisen zu berücksichtigen. Auch dafür herzlichen Dank.
Durch die Übernahme der Schirmherrschaft über die BSW durch den Ministerpräsidenten, die Oberbürgermeister und Landräte wird gegenüber anderen Bevölkerungsschichten der hohe Stellenwert der BSW zum Ausdruck gebracht.
Da die Arbeit in den KSB unterschiedlich organisiert und die Beiräte verschieden strukturiert sind, werden auch Unterschiede in der Vorbereitung der BSW sichtbar.
In einigen Kreisen werden die Seniorenvereine von den Beiräten aktiv in die BSW eingebunden – Ausdruck dafür sind die Informationsveranstaltungen, die z. B. in Potsdam (Stern Center), Frankfurt (Oderturm und Lenne` Passage) Prignitz: (Foyer des Kulturhauses) stattfinden und in denen den verschiedenen Anbietern, Vereinen und Einrichtungen die Möglichkeit eingeräumt wird, ihre Angebote vorzustellen.
In Potsdam wurde die Informationsveranstaltung zum 10. Mal im Stern Center durchgeführt, das kostenlos seine Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, die Stände einheitlich gestaltet, eine Bühne zur Verfügung stellt und eine Moderatorin bezahlt, die von 10:00 bis 20:00 Uhr durch das Programm führt. Dieses Programm wird von älteren und jüngeren Menschen gemeinsam gestaltet.
Ein erster Höhepunkt der diesjährigen Seniorenwoche war die Eröffnungsveranstaltung am 20.5.2011 im Stadttheater Luckenwalde. Dem Seniorenbeirat des Kreises Teltow-Fläming, dem Landrat, der Bürgermeisterin und den Mitarbeitern der Verwaltung und des Theater sei für die niveauvolle Veranstaltung herzlich gedankt. Die Begrüßungsworte, die Information über das Paket zur Umsetzung der Seniorenpolitischen Leitlinien fanden bei den Senioren Anerkennung, das Musikprogramm der Musikschule Luckenwalde erfreute die Teilnehmer aus allen Kreisen.
Aber auch in den Kreisen sind die Eröffnungsveranstaltungen Höhepunkte der Seniorenwoche, weil es den Kreisseniorenbeiräten gelingt, eine Einheit von niveauvollen kulturellen Veranstaltungen, Berichterstattungen der Landräte und teilweise auch der Seniorenbeiräte über die Erfüllung seniorenpolitischer Aufgaben und Ehrungen ehrenamtlicher Seniorenarbeit herzustellen. In Potsdam Mittelmark z.B. ging der Eröffnungsveranstaltung ein Workshop über seniorengerechtes Leben auf dem Lande voraus. Die Gesprächsleiter stellten die Ergebnisse der Diskussion zu Beginn der Eröffnungsveranstaltung vor und trafen dabei auf ein sachkundiges Publikum, der Landrat konnte danach schon zu einigen Überlegungen erste Auffassung darlegen.
In den Gesprächen zwischen Politikern und Senioren stehen Erwartungen an die Lösung seniorenpolitsicher Forderungen im Vordergrund. Positiv wird das vom Ministerpräsidenten verkündete Maßnahmepaket eingeschätzt, wobei sich nunmehr Fragen der Umsetzung im eigenen Kreis stellen.
Andererseits fällt auf, dass bei landes- und bundesweiten Problemen, die bereits Jahre zuvor gestellten Forderungen nicht gelöst werden konnten und sich demzufolge die Forderungen wiederholen.
Dazu gehören für die Senioren bedeutungsvolle Angelegenheiten wie z. B. die alsbaldige Herstellung der Rentengerechtigkeit, die im Zuge der demografischen Entwicklung notwendig gewordene größere Ausbildung von Pflegekräften, das Verhindern von Altersarmut durch sozial verträgliche Absicherungen.
Die Senioren werden trotz der seit Jahren wiederholt gestellten Forderungen nicht müde, diese Rechte erneut einzufordern.
Auf Landesebene kristallisieren sich folgende Schwerpunkte heraus:
Es ist auf dem Land nach wie vor nicht gelungen, einen bedarfsgerechten Nahverkehr oder Fahrdienste zum Arzt, zu Einkaufszentren oder zu Verwaltungen einzurichten (LDS, MOL).
Die Gefahr, nach dem Ausscheiden von Ärzten die Arztpraxen auf dem Lande nicht mehr besetzen zu können, wird in vielen besonders ländlichen Kreisen deutlich gemacht. Das ist bei der älter werdenden Bevölkerungsstruktur nicht vertretbar (OSL).
Häufiger als in den letzten Jahren trat in diesem Jahr das Problem der Erhaltung oder der Schaffung einer Begegnungsstätte für Jung und Alt auf (OPR, PM). Die Menschen erwarten Möglichkeiten, sich wohnortnah auch generationsübergreifend austauschen, dort ihren Neigungen nachgehen zu können, Geselligkeit zu finden. Zugleich sollten das auch Stätten der Beratung, Fürsorge und eines regelmäßigeren Austauschs mit den Politikern sein. (2.000 Unterschriften konnten in Beeskow für die Erhaltung eines Seniorentreffs gesammelt werden).
Bezahlbare seniorengerechte Wohnungen sowohl im Rahmen von Neubauten als auch bei Sanierungsarbeiten zu schaffen, ist eine Forderung, die in städtischen Regionen ebenso gestellt wird wie auf dem Land. Die Stationierung von Dienstleistungen in der Nähe von Seniorenzentren gehört dazu, wenn ein lebenslanges Wohnen in diesen Wohnungen ermöglicht werden soll. In LDS konnte die Wohnungsdezernentin im Gespräch mit den Senioren sehr genau erfahren, welche Ausstattung Senioren in ihren Wohnungen benötigen, damit sie bis in das hohe Alter hinein selbstbestimmt darin leben können.
Einkaufsmöglichkeiten fehlen besonders auf dem Lande, in den Städten ist die Frage nach der seniorengerechten Ausstattung der Kaufhallen, zu erörtern (OPR; TF, PM). Die Ausstattung von Discountern mit Toiletten wird angeregt (PM).
Dienstleister sollen als stationäre Anbieter in die Gemeinden kommen. Damit könnten Probleme des ÖPNV gemindert werden (PM).
Barrierefreiheit ist ein vordringliches Problem im öffentlichen Raum, eine Forderung, die für Stadt und Land gleichermaßen zutrifft. (TF; HVL).
Da es in unserem Land Ämter und Großgemeinden mit sehr vielen Ortschaften gibt, haben Kreisseniorenbeiräte Fahrten mit den Senioren durch die Großgemeinden organisiert. Das ist für das Verständnis vieler kommunaler Entscheidungen außerordentlich hilfreich.
Andererseits werden aber auch Veranstaltungen in den kleineren Dörfern erwartet, da nicht mehr alle Senioren in der Lage sind, selbständig andere Orte aufzusuchen.
Die seniorenpolitischen Anliegen können besonders dann richtig eingeordnet werden, wenn sich in der Gesellschaft generell, bei den Verwaltungen und den Politikern realistische Altersbilder durchsetzen.
Ein weiteres Problem ist die Angst vor Kriminalität, insbesondere dort, wo Polizeidienststellen aufgelöst wurden. Hier scheint Aufklärung nötig zu sein.
Mit dem Motto der 18. BSW sollte erneut auf ein notwendiges Zusammenwirken junger und alter Menschen hingewiesen werden. Noch zu oft ist dieses Zusammenwirken darauf reduziert, dass Jugendliche, Kindergartenkinder, Schüler vor den Senioren musizieren, Theaterstücke, Sketche etc. aufführen, aber Gespräche zwischen den Generationen nicht zustande kommen.
Zu wirksameren Ergebnissen kommen die Kreise, die das Miteinander im täglichen Umgang oder bei der Erarbeitung gemeinsamer Projekte praktizieren.
In Potsdam Mittelmark z.B. wurde über die Dauer eines Jahres ein Naturlehrpfad gemeinsam projektiert, erarbeitet (Senioren unterrichteten über heimischen Pflanzen, ermittelten gemeinsam mit den Schülern den Standort dieser Pflanzen, fertigten Bilder davon an, stellten selbst gebastelte Tafeln auf, gestalteten so einen Naturlehrpfad, der dann in der Seniorenwoche eröffnet wurde).
In Cottbus wird seit Jahren eine gemeinsame Lesung junger und alter Zeitzeugen durchgeführt und über das Vorgetragene debattiert. Gegenstand war die Frage nach der Wa(h)re Freundschaft.
Jung und Alt nahmen die Frage unter die Lupe, worüber die Generationen lachen können. Sie fanden durchaus Unterschiede.
Jung und Alt stellten ihre Talente vor. Es wurde gemeinsam Klavier gespielt und ganz ad hoc ein Theaterstück gemeinsam improvisiert.
Nach einer Beratung in der Schulkonferenz, die die Aufgabe stellte, jeden Monat eine gute Tat zu vollbringen, gingen Schüler eines Gymnasiums in Panketal zu einem Spielnachmittag in ein Heim, was allen viel Spaß machte. Die Schüler begleiteten auch Senioren im Rollstuhl zu einem Tag der offenen Tür in das Rathaus, wovon beide Seiten profitierten.
In der Prignitz wurde in einer Podiumsdiskussion versucht, die Frage zu klären, was Jung und Alt von einander erwarten. Die Diskussion soll dort weitergeführt werden.
Die Volkssolidarität gestaltete in Brandenburg einen Kinder und Familiennachmittag.
In einem Kreis kamen Brautpaare, die gerade ihre grüne, silberne oder goldene Hochzeit gefeiert hatten, zu einer Modenschau über Brautkleider und zum Erfahrungsaustausch zusammen.
Sei 17 Jahren führen Senioren aus Slubice und Frankfurt zur BSW gemeinsam ein Sportfest durch. Dieses Ereignis wird ausschließlich von Jugendlichen beider Städte vorbereitet. In Frankfurt bemühen sich Schüler erfolgreich, Senioren in Lehrgängen Einblicke in die Arbeit mit Computern zu vermitteln.
Durch eine gezielte Wohnungspolitik – z. B. den Bau von Mehrgenerationenhäusern – könnten Bedingungen geschaffen werden. die eine Annäherung von Jung und Alt befördern.
Die Senioren des Kreises Märkisch Oderland spendeten auch in diesem Jahr wieder viel Geld, 1.500 €, um strahlengeschädigten Kinder aus Tschernobyl zu unterstützen. Vielen Dank dafür!
Die freundschaftlichen Beziehungen zu den polnischen Senioren sind insbesondere in den Grenzkreisen fester Bestandteil des Zusammenwirkens, gleich in welcher Weise die politischen Beziehungen gerade funktionieren. Senioren lassen sich davon nicht beeinflussen.
Allein aus der Zahl der teilnehmenden polnischen Senioren - 658 - lässt sich ableiten, dass sich feste Beziehungen entwickelt haben (Barnim: 17. Chortreffen und 17. Sportfest Frankfurt: Deutsch -polnische Seniorenakademie,). Hier sind lang anhaltende freundschaftliche Beziehungen zwischen Frankfurtern und Slubicer Senioren entstanden.
Die kulturellen Veranstaltungen spiegeln das vielfältige Leben in unserem Land wieder.
Konzerte – wie z. B. in Potsdam und Barnim -, das Auftreten von Seniorenchören, Seniorenkabarettgruppen, Lesungen oder einfach nur gemeinsame Gespräche sind geeignet, Freude und Frohsinn zu bringen.
Die Seniorenwoche wird in der Presse unterschiedlich wahrgenommen. In Märkisch Oderland, Frankfurt, Cottbus, Barnim wird die Woche genutzt, die Vielfältigkeit der älteren Generation, ihr Lebensansprüche, ihr Engagement darzustellen, in Potsdam hingegen hatte die Presse nur wenige Zeilen für die Senioren übrig.
Arbeitsgruppe BSW
Einschätzung der 18. BSW zum Herunterladen: 2011-08 B 18_BSW_Einschaetzung